Die Gewinnung der ätherischen Öle

Die ätherischen Öle sind Stoffwechselprodukte der Pflanzen. Es sind ganz feine Öltröpfchen, die in den Öldrüsen der Pflanzen gebildet werden. Dies wiederum geschieht durch Biosynthese und Fotosynthese. Teilweise entstehen die Öle aber auch im Gewebe der Pflanzen selbst.
Man kann die Öle überall in den Pflanzen finden, also auch im Holz, der Rinde oder den Wurzeln – nicht nur in den Blüten, wie man vielleicht glauben mag.

Diese Öle haben einen starken Zusammenhang zur Sonneneinstrahlung. Bekommen die Pflanzen mehr Sonnenlicht, so bilden sie mehr Öle – und umgekehrt. Viele der Pflanzen, die überhaupt ätherische Öle bilden können, wachsen in den Ländern, in denen es viel Sonne gibt.

Man bemerkt es natürlich auch im Sommer, dass Pflanzen besonders intensiv duften, wenn sie in der Sonne stehen. Das hat damit zu tun, dass dann die Öle von alleine beginnen, ihre Öle freizusetzen. Natürlich kann das auch durch Zerreiben oder das alleinige Berühren geschehen.

Öle, die in den Pflanzenwurzeln enthalten sind, muß man allerdings schon etwas bitten, damit sie freigesetzt werden. Gleiches gilt für Zitrusfrüchte, deren Öle in der Schale sitzen.

Die Frage ist also: wie kommt man die Öle aus der Pflanze heraus?

Man kann die ätherischen Öle auf verschiedenen Wegen gewinnen: Durch die Wasserdampf-Destillation, durch eine Kaltpressung und durch das so genannte Auszugsverfahren.

Die Wasserdampf-Destillation

Dies ist die am meisten verwendete Methode der Ölherstellung.
Der Wasserdampf ist ca. 100 Grad heiß und zieht die Öle regelrecht aus den Pflanzen heraus. Danach fängt sich der Dampf mitsamt der Öle im Auffanggefäß. Es schlägt sich ein Gemisch aus Wasser und Öl nieder.
Da Öl und Wasser nicht mischbar ist, trennt sich nach kurzer Zeit das Öl vom Wasser. Das Wasser ist im Gefäß ganz unten, darüber schwimmt eine dünne Schicht Öl.

Stichwort Hydrolate
Bei manchen Pflanzen bleibt aber auch im Kondenswasser etwas von den Duftstoffen sowie den biochemischen Wirkstoffen der Ursprungspflanze zurück. Dieses Wasser nennt man dann Hydrolat.
Die Konzentration der Wirkstoffe ist lediglich ca. 0,5 %, trotzdem haben diese Hydrolate eine messbare Wirksamkeit. Sie gehören zu den milden sowie sehr gut verträglichen Mitteln, die man auch unverdünnt auf die Haut auftragen kann.
Bekannte Hydrolate sind Myrten-, Rosen-, Pfefferminz, Orangenblüten-, Lavendel- und Sandelholz-Hydrolat.

DIE HALTBARKEIT
Die durch eine Wasserdampf-Destillation hergestellten Öle sind lange haltbar, sofern man sie sonnengeschützt sowie luftdicht verschlossen und kalt bzw. kühl lagert.
Die Öle von Nadelbäumen kann man ca. 2 Jahre einsetzen.
Blütenöle, Holzöle und Wurzelöle können bis zu 5 Jahre halten, teils auch noch länger. Teils werden diese Öle sogar noch besser uns feiner oder intensiver, je älter sie werden. Sandelholz ist ein Beispiel dafür. Sollten Sie eine Flasche Sandelholzöl finden, die schon älter als 5 Jahre ist, vergleichen Sie doch einmal den Duft mit frischem Sandelholzöl.

Gewinnung durch Kaltpressung

Die Kaltpressung wird ausschließlich für die Herstellung von ätherischen Ölen aus Zitrusfruchtschalen angewendet.
Die Zitrusschalen werden gereinigt und zerkleinert, dann mit Wasser angesetzt und danach geschleudert (zentrifugiert). Hierbei trennt sich das ätherische Öl von den Schalen.
In diesen so hergestellten Ölen findet man auch Wachs, das in der Schale vorhanden ist. Wird das Öl später als naturrein deklariert, bleibt das Wachs im Öl, ansonsten filtert man es heraus.
Die gewonnenen Öle von Zitrusfrüchten werden überdies auch Agrumenöle genannt. Dazu gehören zum Beispiel die Öle aus den Schalen der Bergamotte, Mandarine, Orange, Grapefruit und Zitrone.

Diese Öle sind relativ wärmeempfindlich und sollten kühl gelagert werden. Es besteht ansonsten die Gefahr, dass sich das Öl durch den Umgebungssauerstoff der Luft verändert. Dies kann dann unter anderem zu Reizungen der Haut führen.

Kleinere Mengen (5 ml) können aber auch bei Zimmertemperatur gelagert werden, unter der Voraussetzung, dass sie zeitig verbraucht werden.
Angebrochene Flaschen sollten also relativ schnell verbrauchen.
Die Haltbarkeit generell liegt, bei sachgemäßer Lagerung, bei ca. einem Jahr.

Ölgewinnung durch Extraktion

Die Wirkstoffe und Öle vieler Blütendüfte sind zu temperaturempfindlich, als dass man sie durch die Wasserdampfdestillation gewinnen könnte. Deswegen lassen sich zahlreiche dieser Blütendüfte nicht destillieren.
Es ist jedoch möglich, diese Öle durch einen Auszug mit Lösungsmitteln herzustellen.

DER ALKOHOL-AUSZUG
Ein Auszug mit reinem Alkohol oder einer Mischung von Alkohol und Wasser trennt die Extrakte aus den Pflanzen.
Zum Schluss filtert man das Lösungsmittel wieder heraus – übrig bleibt das ätherische Öl – in welcher Form auch immer.
Teilweise lässt man aber auch etwas Alkohol zurück, weil das Öl dadurch flüssiger bleibt und leichter weiterverarbeitet werden kann.
Ein Beispiel dafür ist das ätherische Vanilleöl.

EIN HEXAN-AUSZUG – DIE ABSOLUE
Eine andere Variante ist der Auszug mit Hexan. Hexan zieht die Wirkstoffe sanfter aus den Pflanzen als Alkohol.
Jedoch muß das Hexan nach der Gewinnung wieder restlos aus dem Öl entfernt werden. Dies geschieht dann durch eine erneute Destillation mit Alkohol.
Hexan-Auszüge werden auch Absolues genannt. Dazu gehören unter anderem das sehr teuere Rosenöl, Mimosenöl, Champaca, Jasminöl, Frangipani und Tuberose.
All diese Düfte sind besonders intensive Blütendüfte, deswegen genügt oft bereits 1 Tr. davon in einer Ölmischung.
Genau wie bei den destillierten Ölen auch, wird das Aroma im Laufe der Zeit immer besser. Die Haltbarkeit liegt bei bis zu 5 Jahren oder (wesentlich) länger. Rosenöl, so sagt man, hält ewig. Tatsächlich wurden in ägyptischen Königsgräbern Rosenöle gefunden, die immer noch lieblich dufteten.

Geht es nicht auch leichter?

Also bei all dem Aufwand, der zur Gewinnung der Öle betrieben werden muß, stellt sich die Frage, ob das nicht alles auch einfacher geht – und damit billiger.
Die Antwort ist ganz klares Nein. Zwar kann man die meisten Öle heute auch chemisch herstellen oder zumindest die Öle auch chemisch aus der Pflanze lösen. Doch gibt es in der Aromatherapie die ganz klare Regel, dass nur naturreine Öle verwendet werden dürfen!
Außerdem gibt es auch die Regel, dass keine tierischen Öle oder Stoffe Verwendung finden dürfen.

Ein weiteres Problem: die Standardisierung

Natürlich wachsende Pflanzen bilden die ätherischen Öle so, wie sie sie brauchen. Eine Pflanze mit viel Sonneneinstrahlung wird andere Konzentrationen und Arten von Inhaltsstoffen bilden, wie eine Pflanze, die mehr Regen abbekommt. Die grundlegende Struktur der Öle bleibt jedoch im Groben erhalten.
Wir als Menschen werden von diesen Unterschieden kaum etwas mitbekommen, es sei denn, der Duft variiert deutlich merkbar. Und so nebenbei, gerade diese Schwankungen sind ein Teil der Wirksamkeit der Öle, denn man fand heraus, dass gerade die Mischung vieler Komponenten wesentlich effektiver ist als wenn man einen Wirkstoff in großer Menge zu sich nimmt.
Die Regel heißt also: je natürlicher, desto heilsamer.

Doch jetzt die große Enttäuschung – Willkommen im wahren Leben
Ätherische Öle, die im Gesundheitsbereich verwendet werden dürfen, müssen standardisiert sein. Dies hat den Hintergrund, dass unabhängig vom verwendeten Öl immer die gleiche Wirkung vorhersehbar sein soll. Man spricht hier von Apothekenqualität.

Ein Beispiel: Eukalyptusöl soll 85% Cineol enthalten, damit es als wirksam gilt. Das Problem ist nur: Kaum ein natürlich wachsendes Eukalyptusblatt wird diesen Anteil an Cineol bilden. Was passiert also? Der Hersteller setzt natürliche oder „naturidentische“ Stoffe zu. Zum Teil also chemische Wirkstoffe. Was aber auch immer zusetzt: das natürliche Öl ist nicht mehr natürlich…

Um es noch einmal klar zu sagen: es wurde natürlich in Studien geprüft und getestet, damit am Ende nichts Schlimmes passieren kann. Aber: In der Aromatherapie wollen wir solche Stoffe NICHT haben. Denn Unverträglichkeiten können immer auftreten, wie wir aus dem Alltag wissen.

Deshalb meine Empfehlung: Kaufen Sie niemals „naturidentische“ Öle oder Öle, auf denen nicht einmal das steht.
Wenn Sie Öle für medizinische Zwecke benötigen, verwenden Sie Öle in Apothekenqualität.

Für zu Hause oder in der Aromapraxis sollten Sie auf naturreine Öle achten, idealerweise aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder Demeter-Qualität (sehr teuer). Bitte achten Sie auch bei Ölen, die Sie „nur“ für Kerzen oder in der Duftlampe verwenden, auf gute Qualität.
Denn Sie nehmen diese Düfte zum Teil stundenlang auf.

Was bedeutet naturrein, naturidentisch und synthetisch?

Naturrein oder naturidentisch bedeutet ganz klar, dass das Öl so ist, wie es aus der Pflanze kommt. Es wurde keine Chemie hinzugefügt. Nur solche Öle sollten in der Aromatherapie verwendet werden.

Standardisierte Öle sind meist auch naturreine Öle, denen aber Stoffe zugesetzt oder entzogen wurden.  Sie sind also nicht mehr naturrein, genauer gesagt: nicht mehr natürlich. Der Hintergrund ist, dass für medizinische Zwecke der Hauptwirkstoff in einer bestimmten Menge enthalten sein muss. Deshalb wird etwas hinzugefügt oder entfernt. Man kennt sie unter dem Namen Apothekerqualität.

Naturidentische Öle sind Öle, die aus Stoffen zusammengesetzt sind, die zwar natürlich sind, aber aus allen möglichen Lebewesen oder in chemischen Tanks gewonnen werden. Es ist also irgendetwas, aber kein ätherisches Öl!
Beispiele dafür sind tierische Duftstoffe.

Synthetische Öle sind also das Schlimmste, was man sich antun kann. Diese Öle sind im Chemielabor entstanden und haben noch nie einen Sonnenstrahl gesehen. Ganz klar: Finger weg!

Die Wirkung der ätherischen Öle beruht auf dem breiten Spektrum der verschiedenen Inhaltsstoffe.
Man kann sich das wie ein großes Orchester vorstellen. Eine einzelne Geige klingt schön, aber wenn man ein Cello hinzufügt, wird es noch schöner. Und wenn es ein ganzes Orchester ist, wird es etwas Wunderbares.

Die Wirkung eines ätherischen Öls wird durch die Vielzahl seiner Inhaltsstoffe bestimmt und weniger durch die Wirkung einer einzelnen Substanz.

Zwar hat jede einzelne Substanz eine bestimmte Wirkung, die sich auch chemisch nachweisen lässt.  Inzwischen weiß man aber, dass die heilende Wirkung eines Öls vor allem durch das Zusammenspiel verschiedener Stoffe einzigartig wird.

Ähnlich verhält es sich mit dem Duft eines ätherischen Öls.
Der Duft wird durch eine Vielzahl von Inhaltsstoffen bestimmt, wie z.B. beim Rosenöl durch Geraniol.

Bei der Durchsicht der gängigen Literatur fällt Ihnen vielleicht auf, dass für ätherische Öle zum Teil sehr unterschiedliche Mengenangaben der Inhaltsstoffe zu finden sind. Das liegt auch daran, dass je nachdem, wo der Schreiber gelebt hat, unterschiedliche Öle angeboten werden. Wir haben weiter oben gesehen, dass Pflanzen je nach Standort unterschiedliche Inhaltsstoffe haben, und das spiegelt sich auch in den Büchern wider.

Außerdem, und das ist wichtig, kann auch eine Unterart einer Pflanze beschrieben worden sein, so dass die Mengenangaben sehr unterschiedlich sein können. Wenn Sie also eine bestimmte Pflanze oder ein bestimmtes Öl suchen, achten Sie auch auf den lateinischen Namen, damit Sie das richtige Öl bekommen.